Eine silberne Bahn zieht durch die Abendsonne, irgendwo blinken Leuchtreklamen, Restaurants stellen ihre Schilder vor die Tür. Drei Convenience Stores und zwei Getränkeautomaten liegen in Sichtweite – und trotzdem wirkt die Szene fast beschaulich. Tokio ist eine Stadt, in der alles gleichzeitig passiert. Laut und leise, riesig und winzig, futuristisch und uralt. Eine Stadt, die sich kaum greifen lässt und gerade deshalb so süchtig macht.
Jochen war schon viele Wochen in Tokio und ist sich trotzdem sicher: Fertig wird man mit dieser Stadt nie. Deshalb sammeln wir in zwei Podcastfolgen die großen Klassiker, kleinen Entdeckungen und praktischen Tipps, die eine Reise durch Japans Hauptstadt noch besser machen. Teil eins führt vom Tokyo Tower in winzige Bars, vom Kabuki-Theater in digitale Kunstwelten – und immer wieder zum Essen.
Der Tokyo Tower: Großstadtikone mit stillen Momenten
Der Tokyo Tower gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. 332 Meter hoch, orange-weiß gestrichen und in seiner Fachwerkbauweise ein bisschen wie der Eiffelturm – nur eben eindeutig Tokio. Tagsüber lohnt sich die Aussichtsplattform, bei klarem Wetter reicht der Blick weit über die Stadt. Besonders eindrücklich ist der Turm aber am Abend, wenn er über den eher ruhigen Wohnstraßen an seinem Fuß leuchtet.


Direkt daneben liegt der Tempel Zōjō-ji. Alte Tempelbauten vor dem futuristischen Stahlriesen: Schon hier zeigt sich diese für Tokio so typische Selbstverständlichkeit, mit der Vergangenheit und Gegenwart nebeneinander existieren. Am Rand des Tempelgeländes stehen kleine steinerne Jizō-Figuren. Sie erinnern unter anderem an früh verstorbene oder ungeborene Kinder und tragen häufig selbst gehäkelte Mützen und Schals. Ein leiser, berührender Ort mitten in einer der größten Städte der Welt.
Wer wegen des Jetlags ohnehin nachts wach ist, kann ihn in Tokio übrigens erstaunlich gut nutzen. Ein Spaziergang durch die beleuchteten Straßen oder ein sehr früher Besuch des Tsukiji-Außenmarkts macht aus der schlaflosen Zeit fast einen Vorteil. Tokio gilt als sehr sicher, trotzdem gilt natürlich wie überall: aufmerksam bleiben und sich – insbesondere allein unterwegs – vorher über die jeweiligen Viertel informieren.
Jetlag, Ramen und Tee aus dem Automaten
Jochens Strategie nach einer frühen Ankunft lautet: durchhalten. Und kaum eine Stadt macht einem das leichter. Zu viel passiert auf den Straßen, zu spannend ist selbst der Alltag. Für die erste große Portion Energie empfiehlt sich Ramen. Die dampfenden Nudelsuppen gibt es in unzähligen Varianten, die Läden sind oft lebhaft und laut, die Köche rufen Begrüßungen durch den Raum – ein herrlich unmittelbarer Einstieg in Tokio.
Für das nächste Tief stehen fast überall Getränkeautomaten bereit. Dort gibt es nicht nur Limonade, sondern auch kalten oder warmen Grüntee und Oolong-Tee. Koffein, Flüssigkeit und der nächste kleine Tokio-Moment kommen damit direkt aus der Maschine. Bei Matcha lohnt sich allerdings ein bisschen Vorsicht: Der kann deutlich kräftiger ausfallen als erwartet.
Shimokitazawa: Tokios lässige, kleine Seite
Nur wenige Stationen von Shibuya und Shinjuku entfernt fühlt sich Tokio plötzlich völlig anders an. Shimokitazawa besteht aus kleinen Straßen, niedrigen Häusern, Vintage-Läden, Plattenläden, Cafés und Bars. Das Viertel ist jung, kreativ und angesagt, wirkt dabei aber eher wie ein gewachsenes Wohnviertel als wie eine durchinszenierte Attraktion.
Hier findet man Orte, die es wahrscheinlich nur gibt, weil jemand eine Idee kompromisslos zu Ende gedacht hat. Eine winzige Bar serviert auf wenigen Plätzen kunstvoll gebaute Eisbecher und Longdrinks. Im Café Stay Happy treffen Pflanzen, Bücher, Reisegeschichten und Matcha-Desserts aufeinander. Anderswo öffnet nur gelegentlich ein Hotdog-Laden mit vier Plätzen, in dem der Besitzer nebenbei seine Lieblingsplatten auflegt – zum Beispiel Piano-Jazz aus Namibia.
Diese Spezialisierung begegnet einem in Tokio ständig. Manche Restaurants widmen sich ausschließlich Ramen, Udon, Soba, Yakitori oder Tonkatsu – dafür in etlichen Varianten und mit größter Präzision. Statt einer Karte, die alles anbietet, wird eine Sache perfektioniert. Genau darin steckt viel von dem, was Tokio so faszinierend macht.


Kabuki in Ginza: Eine Reise in eine andere Zeit
Mitten in Ginza, zwischen Flagship-Stores, riesigen Bildschirmen und blinkender Werbung, steht das Kabuki-za. Schon das Gebäude wirkt wie ein Sprung in eine andere Epoche. Innen warten roter Teppich, dunkles Holz, prächtige Gemälde und ein Bühnenvorhang, der fast allein den Besuch wert ist.
Kabuki ist traditionelles japanisches Theater: stark geschminkte Gesichter, prachtvolle Kostüme, bedeutungsvolle Gesten, gemalte Bühnenbilder und eine für ungeübte Ohren ungewohnte Sprache. Die Aufführungen können mehrere Stunden dauern. Audioguides helfen dabei, der Handlung zu folgen – und dass zwischendurch gegessen oder auch einmal kurz eingenickt wird, gehört offenbar durchaus dazu. Danach tritt man wieder hinaus in das flimmernde Ginza. Mehr Kontrast auf wenigen Metern geht kaum.
teamLab: Kunst, in die man hineinläuft
Ein völlig anderes Kulturerlebnis bietet teamLab. Das in Tokio gegründete Kollektiv aus Künstlerinnen und Künstlern, Programmierern, Ingenieuren, Wissenschaftlern und Animatoren verbindet Kunst, Technologie und Natur zu immersiven Welten. Licht reagiert auf Schritte, digitale Blätter schweben durch den Raum und aus einer selbst gemalten Figur wird plötzlich ein Bewohner eines virtuellen Aquariums.
Mit teamLab Borderless und teamLab Planets gibt es in Tokio gleich zwei große Erlebniswelten. Beide sind auch für Familien spannend, weil sie nicht nur betrachtet, sondern entdeckt und teilweise aktiv mitgestaltet werden. Tickets sollte man vorab für ein Zeitfenster buchen – der Andrang ist groß.
Überhaupt funktioniert Tokio mit Kindern erstaunlich gut: Die Stadt ist sauber, das Angebot riesig und viele Restaurants sind familienfreundlich. Nur bei Hotelzimmern sollte man genauer hinschauen. Platz ist knapp, entsprechend kompakt fallen viele Zimmer aus. Ausgewiesene Familienzimmer sind oft clever aufgeteilt und deshalb eine gute Wahl.

Yanaka und Asakusa: Das alte Tokio
Wer wissen möchte, wie Tokio vor seinem heutigen Tokio aussah, fährt zur Nippori Station und spaziert durch Yanaka. Das Viertel blieb von vielen Zerstörungen des großen Kantō-Erdbebens von 1923 und des Zweiten Weltkriegs verschont. Statt Neonfassaden warten schmale Gassen, alte Holzhäuser, kleine Geschäfte, Blumentöpfe und erstaunlich viele Katzen.
Besonders eindrucksvoll ist der Yanaka-Friedhof. Kirschbaumalleen, verwitterte Steingräber, kleine Tempel, Laternen und hohe Bäume machen ihn zu einem ruhigen, fast parkähnlichen Ort. Und dann taucht zwischen den Ästen plötzlich der Tokyo Skytree auf: das 19. Jahrhundert im Vordergrund, die Zukunft am Horizont.
Bekannter und deutlich touristischer ist Sensō-ji in Asakusa, Tokios ältester buddhistischer Tempel. Das große Kaminarimon-Tor mit seiner roten Papierlaterne ist nicht zu übersehen. Wer den Ort ruhiger erleben möchte, kommt am besten früh oder am Abend.
Tokio schmeckt überall
Tokio kann man nicht nur erlaufen, sondern auch essen. An kleinen Ständen lohnen sich Karaage, japanisches frittiertes Hähnchen, Korokke-Kroketten oder Takoyaki – Teigbällchen mit Oktopus, Sauce und Mayonnaise. Süß wird es mit Taiyaki, fischförmigen Waffeln, die klassisch mit roter Bohnenpaste, aber auch mit Vanille oder Schokolade gefüllt werden.
Wer ein hochpreisiges Restaurant ausprobieren möchte, sollte nach einem Mittagsmenü schauen. Viele gute Adressen sind mittags deutlich erschwinglicher. Eine weitere sichere Bank sind die Depachika, die Feinkostabteilungen im Untergeschoss großer Kaufhäuser. Salate, Fisch, Fleisch, Süßes und komplette Gerichte gibt es dort in beeindruckender Qualität – perfekt auch für einen entspannten Abend im Hotel.
Und dann wären da noch die Konbini: Lawson, 7-Eleven, FamilyMart und viele andere. Rund um die Uhr bekommt man Onigiri, Salate, Kaffee, in der kalten Jahreszeit Oden und fast alles, was unterwegs plötzlich fehlt. Eine kleine Supermarkt-Safari gehört in Tokio unbedingt dazu.
Eine Stadt, mit der man nie fertig wird
Tokio besteht nicht nur aus einzelnen Sehenswürdigkeiten. Es sind oft die beiläufigen Bilder, die bleiben: eine Bahn im Abendlicht, ein stiller Tempel unter einem leuchtenden Turm, ein Hotdog zu einer namibischen Jazzplatte oder ein alter Friedhof mit Blick auf den Skytree. Alles steht nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu stören.
Und das war erst Teil eins. In der nächsten Tokio-Folge geht es weiter durch einige der spannendsten Viertel der Stadt – mit noch mehr traditionellen und futuristischen Orten, Cafés, Restaurants und praktischen Tipps für den Transport.
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Diese Folge entstand mit freundlicher Unterstützung von Tokyo Tourism - Representative For Germany.







