Die Angst des Reisenden vor der Reise
Too Many Tabs
Kennt ihr das!?
Es ist der Tag des Beginns einer großen Reise. Vorfreude! Endlich geht es los. Noch ein paar Stunden …
Und dann passiert ein Zustand, den ich Reise-Koma nenne. Ich werde müde vor Aufregung. Zum körperlich lauen Gefühl zieht ein Gedankengewitter auf: Habe ich an alles gedacht? Fahre ich eigentlich wirklich heute? Apps, Mails werden gecheckt, Abfahrtszeiten überprüft. Auf dem Schirm und im Kopf gehen gleichzeitig immer mehr Tabs auf: Reisepass, Ibuprofen, habe ich die richtigen Schuhe dabei, generell zu viel, zu wenig, was ist, wenn ich abends doch mal schick essen gehe, Impfausweis!, wie komme ich eigentlich zum Hotel, wo ist dafür nochmal die Buchungsbestätigung, wie komme ich mit Jetlag klar, und habe ich ein Buch dabei, mit dem ich cool aussehe und das auch noch Spaß macht? Kann ich noch Englisch sprechen? Überhaupt: die Welt …
Plopp, plopp, plopp …
Alles wird schwer, und plötzlich frage ich mich, warum ich mir das wieder antue – dieses Reisen. Sofa und Buch, Netflix und Co. sind doch viel entspannter. Gelähmt sitze ich da, als wäre es plötzlich drei Uhr in der Nacht. Die Hormone im Keller, man ist wach, und jeder Gedanke wechselt auf die dunkle Seite.
Reise-Koma! Hallo!?! Was soll das wieder?
Ich habe das immer – obwohl ich schon so lange und oft auf Reisen bin. Mittlerweile umarme ich diesen Zustand. Er gehört zu meinen Reisen dazu, ist Teil der Erfahrung. Auf 98 Prozent der Reisen klappt eh alles, und die anderen zwei Prozent liefern hinterher die besten Geschichten.
Der kurze Downer ist ein Erinnern an die privilegierte Möglichkeit, überhaupt so viel unterwegs sein zu können. Abenteuer erleben, die Welt mit eigenen Augen sehen.
Oha! Der Zug kommt.
Ich muss los. Gute Reise.



