Zürich, Basel, Bern, Genf: An bekannten Städten mangelt es der Schweiz wirklich nicht. Fribourg dagegen fliegt bei vielen Reisenden noch immer unter dem Radar. Ziemlich zu Unrecht, findet Jochen. Denn nach wenigen Tagen vor Ort steht für ihn eine durchaus gewagte These im Raum: Ist Fribourg vielleicht die schönste Stadt der Schweiz?
Die Antwort hat natürlich viel mit persönlichen Vorlieben zu tun. Aber Fribourg vereint erstaunlich viele Dinge, die eine Stadt besonders lebenswert machen: mittelalterliche Gassen und junge Ideen, Ruhe und Kultur, großartiges Essen und jede Menge Natur. Dazu kommen freundliche Menschen, zwei Sprachen und eine Altstadt, die sich über Felsen, Hügel und mehrere Ebenen erstreckt.
Wie durch ein unsichtbares Tor
Wer mit dem Zug anreist, erkennt zunächst noch nicht unbedingt, was Fribourg so besonders macht. Rund um den Bahnhof wirkt die Stadt betriebsam und funktional: Geschäfte, Busse, moderne Gebäude – eine ganz normale Schweizer Stadt eben.
Doch nur wenige Minuten später verändert sich die Szenerie komplett. Der Bus fährt hinunter in die historische Altstadt, vorbei an alten Häusern und steilen Felswänden. Plötzlich liegt da eine nahezu mittelalterliche Welt: Kopfsteinpflaster, schmale Gassen, begrünte Ufer und die Saane, die sich in mehreren Schleifen durch die Stadt zieht. Es ist erstaunlich still. Statt Verkehrslärm hört man an vielen Stellen vor allem das Wasser des Flusses rauschen.
Für Jochen fühlt sich die Fahrt an, als würde er ein unsichtbares Tor durchqueren.
Eine Stadt auf mehreren Ebenen
Fribourgs historische Altstadt gehört zu den größten zusammenhängenden mittelalterlichen Stadtanlagen Europas. Ihr ältester Teil, das Burgquartier, liegt hoch oben auf einer felsigen Halbinsel. Darunter erstreckt sich entlang der Saane das Auquartier, das mit seinen kleinen Häusern und ruhigen Straßen beinahe dörflich wirkt. Dazwischen liegt die Neustadt mit Geschäften und etwas mehr städtischem Trubel.
Diese Höhenunterschiede prägen Fribourg. Fast überall geht es hinauf oder hinunter, über Treppen, Brücken und steile Straßen. Dafür eröffnen sich ständig neue Perspektiven: auf rote Dächer, Kirchtürme, Klöster, bewaldete Ufer und die Häuser, die scheinbar direkt an den Felskanten stehen.
Dabei wirkt Fribourg nicht wie eine kleine historische Kulisse, die nach einigen Straßenzügen wieder vorbei ist. Man kann stundenlang durch die Stadt laufen und entdeckt immer neue Gassen, Plätze, Brücken und Aussichtspunkte. Die Altstadt ist kein abgetrennter Museumsbereich – sie ist die Stadt.
Alte Gemäuer, junge Ideen
Fribourg hat rund 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Etwa 10.000 von ihnen studieren hier. Das sorgt für eine Mischung, die Jochen besonders begeistert: alte Gebäude, aber junge Ideen.
Zwischen mittelalterlichen Fassaden befinden sich Bars, kleine Musikclubs, Kulturzentren und Restaurants. Im Sommer verlagert sich vieles nach draußen. Menschen sitzen auf Terrassen über dem Fluss, treffen sich vor historischen Häusern oder hören Konzerte in Räumen, in denen früher Apotheken, Lagerhallen oder andere Betriebe untergebracht waren.
Ein Beispiel dafür ist der Port de Fribourg direkt an der Saane. Der große Außenbereich reicht beinahe bis ans Wasser und vermittelt zwischen grünen Ufern und steilen Felsen fast ein wenig Strandgefühl. Im Café du Belvédère gibt es dagegen nicht nur Essen, Getränke und gelegentliche Konzerte oder DJ-Sets, sondern vor allem einen fantastischen Blick über die Stadt.
Auch selbstverwaltete Kulturorte haben ihren Platz. In einem besonders schönen historischen Gebäude entstand aus einer zunächst provisorischen Nutzung ein Treffpunkt mit Bistro, Veranstaltungen, veganem Essen und Raum für Austausch. Genau solche Orte zeigen, dass Fribourg seine Geschichte bewahrt, ohne darin stehen zu bleiben.
Kulinarik zwischen Bergkäse und Edamame
Auch kulinarisch hält sich Fribourg nicht an die üblichen Erwartungen. Natürlich spielen regionale Produkte und Schweizer Käse eine wichtige Rolle. Gleichzeitig ist die Gastronomie überraschend modern und international.
Auf Jochens kulinarischem Best-of stehen unter anderem Süßkartoffelgnocchi mit Edamame, Gurken-Gazpacho mit Feta, Spargeltatar mit Sesam und Soja, Safranrisotto mit Bergkäse sowie klassisches Tatar mit hausgemachten Pommes. Auch bei den Desserts wird nicht gespart: Mangosorbet, Erdbeeren, Pistazien, Basilikumcreme und eine Schweizer Interpretation der Schwarzwälder Kirschtorte gehören zu den Erinnerungen, die geblieben sind.
Viele Restaurants befinden sich in umgebauten historischen Gebäuden – etwa in einer ehemaligen Apotheke oder einer alten Viehhalle. Besonders gut gegessen hat Jochen im kleinen Restaurant seines Hotels.


Wohnen mitten in der Altstadt
Das Hotel Le Sauvage liegt in der historischen Unterstadt, nur wenige Schritte von der Saane entfernt. Jochens Zimmer fühlte sich weniger wie ein klassisches Hotelzimmer und eher wie eine Wohnung in einem der alten Häuser an. Sogar eine kleine Küche gehörte dazu.
Nach dem Abendessen ging es noch einmal hinaus auf die Brücke, um die beleuchtete Altstadt zu betrachten. Danach: schlafen wie ein Baby. Zumindest bis Sonntagmorgen um sieben Uhr.
Denn so ruhig Fribourg sonst ist, so eindrucksvoll melden sich seine zahlreichen Kirchen, Kapellen und Klöster zu Wort. Wenn alle Glocken gleichzeitig läuten, verwandelt sich die beschauliche Altstadt kurzfristig in eine ausgewachsene Glockendisco.
Aussichtspunkte, Kathedrale und eine Bahn mit Wasserkraft
Wer schon einmal wach ist, kann den Morgen für einen Spaziergang nutzen. Einer der besten Aussichtspunkte befindet sich bei der kleinen Lorettokapelle oberhalb der Stadt. Von dort fällt der Blick über Dächer, Kirchtürme, Felsen und die Schleifen der Saane.
Kaum zu übersehen ist die Kathedrale St. Nikolaus. Ihr gewaltiger, unvollendeter Turm besitzt zwar keine Spitze, überragt aber trotzdem weite Teile der Stadt.
Eine weitere Besonderheit ist das Funiculaire, eine Standseilbahn aus dem Jahr 1899. Sie verbindet die Unterstadt mit dem höher gelegenen Zentrum und überwindet in wenigen Minuten rund 50 Höhenmeter. Besonders ungewöhnlich: Die historische Bahn wird ohne Strom betrieben. Stattdessen nutzt sie das Gewicht von Abwasser, um die Wagen zu bewegen.
Doch so sehenswert Kathedrale und Standseilbahn sind – Fribourgs eigentliche Attraktion bleibt für Jochen der Alltag. Das blaue Schwimmbecken zwischen roten Dächern. Ein Fußballplatz in einer Flussschleife. Junge Menschen, die bei geöffnetem Fenster Musik machen. Pferde auf einer Wiese am Rand der Stadt. Und immer wieder diese Ausblicke.
„Merci, au revoir“
Was von Fribourg außerdem in Erinnerung bleibt, ist die Freundlichkeit. Besonders aufgefallen ist Jochen ein kleines Ritual in den Bussen: Beim Aussteigen verabschiedeten sich die Fahrgäste mit einem „Merci“ oder „Au revoir“ von der Fahrerin oder dem Fahrer – unabhängig davon, ob sie 18 oder 80 Jahre alt waren.
Keine große Inszenierung, sondern eine selbstverständliche Geste des Respekts. Und eine, die sofort ansteckend wirkt.
Auch sprachlich ist Fribourg ein besonderer Ort. Die Stadt liegt an der Grenze zwischen der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Straßennamen und Hinweise sind vielfach in beiden Sprachen zu finden. Im Alltag wechseln die Menschen scheinbar mühelos zwischen Französisch, Hochdeutsch und Schweizerdeutsch.
Ein Ausgangspunkt für die Region
Fribourg lässt sich hervorragend ohne Auto erkunden. Die Altstadt ist eine Stadt zum Laufen, während Busse die höher gelegenen Viertel und den Bahnhof miteinander verbinden. Auch für Ausflüge in die Umgebung eignet sich Fribourg bestens.
Nicht weit entfernt liegt die Region La Gruyère – Heimat eines der berühmtesten Käse der Welt. Dort warten grüne Hügellandschaften, kleine Orte und natürlich jede Menge Gruyère. Mehr dazu gibt es in einer eigenen Podcastfolge.
Fribourg selbst ist dagegen ein Reiseziel, das sich nur schwer auf einzelne Sehenswürdigkeiten reduzieren lässt. Es ist die Kombination aus mittelalterlicher Architektur, Natur, Kultur, Kulinarik und alltäglichem Leben. Eine Stadt, die beschaulich wirkt, ohne langweilig zu sein. Historisch, aber nicht erstarrt. Klein, aber voller Leben.
Oder, wie Jochen nach seiner Reise feststellt: ein Ort, an dem man nicht nur ein paar Tage verbringen, sondern durchaus auch leben könnte.
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Diese Folge entstand mit freundlicher Unterstützung von Schweiz Tourismus.





