In diesem Newsletter-Magazin haben wir Euch nach Euren Erfahrungen mit dem Alleinreisen gefragt – und Ihr habt uns mit wunderbaren, ermutigenden Geschichten und inspirierenden Bildern geantwortet. Einige davon teilen wir hier mit Euch.
Carola





Das Alleinreisen habe ich bisher im Alleinwandern kultivieren können; es ging für mich letztes Jahr sechs Monate auf den TeAraroa Trail. Auch wenn ich alleine gestartet bin, habe ich auf jeder Etappe neue Menschen kennenlernen können und dürfen oder bereits bekannte Gesichter wiedergetroffen. Was für mich daran besonders schön war: Wenn ich mal allein sein wollte, habe ich einfach wieder eine Etappe alleine geplant, wenn mir wieder nach Gesellschaft war, dann konnte ich wieder gemeinsam wandern oder abends im Camp den Kocher mit Gleichgesinnten anwerfen.
Bei einem alleinigen Städtetrip oder gar einem ganz „normalen“ Urlaub stelle ich mir persönlich die Frage, ob ich mich dabei genauso wohlfühlen würde. Es ist sicher anonymer und ich könnte mir vorstellen, man kommt nicht ganz so einfach in Kontakt (wenn man es denn will). Das wäre noch zu erkunden in Zukunft 😌
Helga



Ich bin 63 Jahre alt, verheiratet und liebe Reisen. Ja, ich reise gern allein, manchmal auch zu zweit, manchmal in einer Gruppe. Am längsten halte ich es mit mir allein aus ;-) Dann kann ich in das Museum gehen, das den Partner nicht interessiert. Kann früh schlafen gehen, wenn ich Lust dazu habe … Oder auch mal eine längere Wanderung unternehmen, die für meinen Mann zu anstrengend wäre. Meine Solo-Reisen unternehme ich gern mit der Bahn. 2023 bin ich im Winter mit Via Rail von Vancouver nach Toronto gefahren. Mit einem Zwischenstopp in Winnipeg (drei Tage, dann verkehren nur zwei Züge in der Woche). Ich hab die Winnipeg Jets beim Eishockey angefeuert und das französische Viertel erkundet. Außerdem gibt es dort das Museum der Menschenrechte. Von Toronto aus bin ich nach Fort Myers in Florida geflogen und hab‘ mich wieder aufgewärmt. Das Packen für Sommer und Winter in einer Reise war eine Herausforderung.
2026 war ich im Oktober einen Monat lang rund um die Alpen mit Interrail unterwegs. Meine Etappen: Niedersachsen, Tirol, Graz, Nightjet nach Florenz, Rimini, Udine, Ljubljana, Udine, Lucca, Brig, Vevey, Bregenz. Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen. Es ist toll, dass man sogar auf den Wetterbericht reagieren kann und spontan die Richtung ändern kann. Ich habe sehr viele tolle Orte gesehen, nette Menschen getroffen und bin ohne Stress von A nach B gekommen. Verspätungen sind nicht schlimm, wenn man einfach den nächsten Zug nehmen kann.
Pascal


Alleine reisen bedeutet für mich, sich treiben zu lassen und dem zu folgen, worauf man Lust hat. Mir fällt in dem Zusammenhang ein, dass ich es absolut „feiere“, an tollen Orten solange bleiben zu können wie ich möchte. Oft erlebt man bei Reisen mit Freunden oder Gruppenreisen, dass man zu wenig Zeit an tollen Orten verbringt, obwohl man gerne länger bleiben würde. Der Moment kann somit nur schwer verinnerlicht werden. Dies ist aus meiner Sicht ein großer Vorteil, wenn man alleine unterwegs ist.
Gerne erinnere ich mich an einen Morgen, als ich in dem laotischen Dorf Nong Khiaw zum Sonnenaufgang auf einen Berg stieg. Ich saß quasi über den Wolken mit sagenhafter Aussicht auf einen Berg. Die meisten würden mich für verrückt halten, aber ich saß bestimmt zwei Stunden an diesem Ort, schaute in die Landschaft, hörte zwischendurch Musik, dachte über das Leben nach und war sehr dankbar für diese unvergesslichen Momente. Sie brannten sich dermaßen ein, es war phänomenal. Noch heute fällt es mir leicht, mich gedanklich an diesen Ort zurückzuversetzen, obwohl ein paar Jahre vergangen sind.
Bei einer Gruppenreise hätte ich dafür fünf Minuten gehabt inklusive Fotos schießen. Orte an denen man vermutlich nur einmal im Leben ist, rauschen an einem ungewollt vorbei, obwohl man vielleicht jahrelang genau darauf wartete. Es ist schade, wenn man wieder in den eigenen vier Wänden ist und enttäuscht, dass man nicht länger an diesem Ort verweilen konnte.
Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass es auch traurig sein kann, wenn man Momente gerne teilen würde, aber die Möglichkeit dazu nicht besteht.
Christiane



Meine letzte Reise alleine war letztes Jahr nach Australien, meinem absoluten Seelen-Land. Ich war 2001, 2005 und 2008 schon dort und wollte unbedingt wieder hin. Da aber niemand mit mir reisen wollte, weil es allen zu teuer, zu weit oder sonst was war, habe ich irgendwann gesagt: Ich kann nicht länger warten! Mit damals 58 Jahren weiß man schließlich nicht, wie lange man noch solche Langstreckenflüge machen kann. Also habe ich meine Reise selbst geplant, gebucht und bin einfach losgezogen. Und ganz ehrlich: Es war das Beste, was mir passieren konnte!
Allerdings hat mich das Alleinreisen auch ein bisschen verdorben. 😄 Ich glaube, ich möchte gar nicht mehr unbedingt mit mehreren Menschen oder auch nur zu zweit verreisen. Es macht mir unglaublich viel Spaß, allein unterwegs zu sein und einfach das zu tun, worauf ich gerade Lust habe. Wenn ich die Straße entlanggehen möchte, dann gehe ich sie. Wenn ich an den Strand möchte, gehe ich an den Strand. Und wenn ich um 14 Uhr Lust auf einen Burger habe, dann esse ich um 14 Uhr einen Burger. Ende der Diskussion! 😂
Aufregend war es natürlich auch, denn es war mein erster Alleinflug überhaupt und dann gleich nach Australien, mit Umsteigen und allem Drum und Dran. Außerdem habe ich noch ein paar Tage in Singapur verbracht. Es war wirklich das Erlebnis meines Lebens, wunderschön und unvergesslich!
Und jetzt fliege ich nächsten Samstag schon wieder los. Dreimal darfst du raten, wohin! 😉 Genau, wieder nach Australien. Zuerst geht es nach Perth in den Westen, anschließend nach Sydney, wo ich in Manly bleibe, und danach für zwei Wochen an die Gold Coast, wo ich einen Freund besuche.
Und was soll ich sagen? Die nächste Australienreise habe ich gedanklich auch schon zusammengestellt. Ich glaube, das Alleinreisen hat mich endgültig gepackt!
Nicole




Die Sache mit dem “lustigen Hut” aus dem Interview mit Sabine hat mich sofort angesprochen. Ich musste schmunzeln, weil es mir auf Reisen schon so oft ähnlich ergangen ist. Bestimmt werde ich mich das nächste Mal daran erinnern.
Je mehr ich allerdings alleine unterwegs bin, desto seltener gerate ich in solche Situationen. Ich habe gelernt, das Alleinreisen zu geniessen. Dabei beginnt die Reise für mich nicht erst am Zielort. Schon die Planung wird zelebriert und die Vorfreude gefeiert.
Besonders gerne verbinde ich meine Reisen mit Konzerten oder Kochkursen. Ich lese Bücher, die in der Region spielen, die ich gerade bereise, oder von Autorinnen und Autoren stammen, die dort zu Hause sind. Unterwegs fotografiere ich gerne und setze mich ab und zu in ein Café, hänge meinen Gedanken nach und schreibe in mein Reisetagebuch. So bin ich zwar alleine unterwegs, aber nie einsam.
Beim Lesen des Newsletters wurde mir bewusst, dass genau diese kleinen Rituale für mich das Schönste am Alleinreisen geworden sind. Nicht das große Abenteuer, sondern die Freiheit, eine Reise ganz nach den eigenen Interessen zu gestalten.

